Wenn man sich näher mit der Situation der Tiere in unserer Gesellschaft beschäftigt, stellt man fest, dass es ausser den Tierliebhabern, welche liebevoll ihr Haustier pflegen, auch viele Menschen gibt, denen Tiere völlig egal sind. Es herrscht eine Rohheit gegenüber diesen armen Kreaturen, die ich nicht akzeptieren und mir auch nicht erklären kann:

  • Wieso werden Haustiere einfach am Straßenrand ausgesetzt, weil die Halter in den Urlaub fahren oder das Haustier lästig geworden ist?
  • Warum tritt, schlägt oder quält man Haustiere, die nichts getan haben?
  • Weshalb fängt man Katzen für Tierversuche oder Fellproduktion ein?
  • Warum vermehren sich Katzen auf Bauernhöfen unkontrolliert?
  Link zur IG Mensch & Tier e.V.

Diese Opfer menschlicher Übergriffe brauchen Beschützer, die sie aufpäppeln, ihnen Liebe geben und vielleicht sogar das Vertrauen zu den Menschen wieder herstellen können.

In mir reifte der Gedanke, einen Teil meiner Freizeit für die Betreuung der gequälten Kreaturen einzusetzen. Auf der Suche nach Gleichgesinnten hörte ich im Bekanntenkreis immer wieder positive Hinweise auf die Interessengemeinschaft Mensch und Tier in Ostermünchen. Da der gemeinnützige Verein ein Tierheim betreibt, habe ich mich dort um ehrenamtliche Mitarbeit beworben und durfte auch gleich anfangen. Die IG Mensch & Tier e.V. konnte auf Grund von großzügigen Spenden ein Hauptgebäude mit einem großen Katzenhaus errichten. Für Hunde und Kleintiere existieren noch keine Gebäude, diese sind zur Zeit bei Mitgliedern in Pension.

Gelebte Tierliebe

Was mir schon bei den ersten Besuchen an den Mitgliedern auffiel, ist das begeisterte Eintreten für die Tiere. Viele Mitglieder sind in ihrer Freizeit ehrenamtlich unterwegs, um Tiere einzufangen, zum Tierarzt zu bringen oder vermittelte Tiere bei den neuen Besitzen abzugeben. Andere helfen regelmässig bei der Versorgung der Katzen im Tierheim. Trotz der vielen Arbeit bleibt Zeit, sich ausgiebig mit den Tieren abzugeben - sie zu streicheln, das Fell zu bürsten oder mit ihnen zu spielen. Hier behandelt man die Tiere wie die eigenen. Versorgung ist ein wichtiger Aspekt, den Tieren Liebe und Geduld zu geben, ist ebenso wichtig.

Schulklassen wird im Gemeinschaftsraum Tierschutzunterricht angeboten, der um Besuche im Katzenhaus ergänzt wird. Unsere Mitglieder sind im Landkreis mit Infoständen unterwegs, um der interessierten Bevölkerung die Nöte der Tiere und die Hilfsmöglichkeiten nahe zu bringen.

Artgerechte Unterbringung - sauber und hygienisch

Den Katzen stehen viele Zimmer zur Verfügung. Jedes hat Fußbodenheizung, ist gekachelt und hat einen Ausgang in einen überdachten Freilauf. Regalbretter in unterschiedlichen Höhen mit Handtüchern, Kissen oder Liegekörbchen bieten den Bewohnern vielfältige Rückzugsmöglichkeiten. Kratzbäume, und viel unterschiedliches Spielzeug geben den Katzen Beschäftigung.

Jedes Zimmer wird einmal am Tag naß gewischt, damit sich keine Keime ausbreiten können. Man merkt es auch sofort, dass es im Katzenhaus nicht riecht. Alle Helfer wechseln vor dem Betreten der Zimmer ihre Schuhe, damit keine Keime eingebracht werden. Vor dem Betreten des nächsten Zimmers werden die Hände desinfiziert, hierfür gibt es im Gang alle paar Meter einen Spender.

Auch in der Küche wird peinlich genau auf Sauberkeit geachtet. Näpfe und Teller aus den Katzenzimmern werden nach gesunden und kranken Katzen getrennt gereinigt und desinfiziert. Auch die Katzenklos werden regelmässig abgespült und desinfiziert.

Mein erster Eindruck: Hier ist es hygienisch wie im Operationsaal! Lohn der Mühe: kranke Katzen können auskuriert werden, ohne gesunde Katzen anzustecken. Wenn man als Helfer die Abläufe zwei-, dreimal gemacht hat, gehen sie in Fleisch und Blut über und machen keine Mühe.

Medizinische Versorgung

Die meisten Tiere, welche ins Tierheim kommen, sind in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Sie werden sofort von engangierten Tierärzten untersucht und behandelt. Katzenschnupfen, Augenentzündungen, Zecken, Flöhe und Würmer sind die häufigsten Krankheiten. Vielfach müssen auch Brüche oder Blutergüsse behandelt werden. Anschliessend kommen die Tiere eine Zeitlang in eigene Quarantänezimmer, damit sie die anderen Mitbewohner nicht anstecken.

Im Tierheim gibt es sogar einen eigenen Behandlungsraum mit OP-Tisch, in welchem die Tierärzte vor Ort Eingriffe durchführen können.

Die Dauerbehandlung mit Medikamenten übernehmen die Helfer, welche die Tiere laufend betreuen. Ein Großteil von Ihnen sind wie ich, ehrenamtliche Mitarbeiter.

Gezielte Vermittlung

Trotz des positiven Gesamteindrucks (ich denke, viele Tiere haben es in diesem Tierheim besser als bei Ihren vorherigen Besitzern), ist das Tierheim nur eine Übergangsstation. Ziel ist es für jedes Tier einen Platz zu finden, an dem es sich wohlfühlt. Interessenten werden deshalb gezielt nach der häuslichen Umgebung und der aufzubringenden Zeit befragt. Katzen werden möglichst nur paarweise abgegeben, Einzeltiere wären wegen fehlender Spielgenossen sonst unglücklich.

Vor Abgabe der Tiere wird von erfahrenen Mitgliedern eine Platzkontrolle durchgeführt. Erst wenn alle Umstände zufriedenstellend geklärt sind, werden die Tiere an die neuen Besitzer übergeben.

Wenn Ihr Euch für die Aufnahme eines Tieres entschieden haben, besucht doch einfach die Katzenstation und seht Euch unsere Katzen an. Von ganz jungen Kitties bis hin zu älteren Exemplaren ist alles vertreten.

Tierheimkatzen sind nicht gestört!

Immer wieder höre ich im Bekanntenkreis die Meinung, dass Katzen aus dem Tierheim schwer gestört sind und sich im normalen Haushalt nicht mehr einfügen können. Das mag für einige andere Tierheime gelten, welche ihre Tier nur verwahren, aber sicher nicht für unser Tierheim!

Durch die liebevolle Pflege und persönliche Zuwendung, werden aus den eingelieferten, verstörten Katzen wieder ganz normale, schnurrende und liebevolle Geschöpfe. Dies habe ich mit Felix und Flori selbst erfahren, welche ich Anfang Mai 2009 zu mir genommen habe. Beide hatten keine leichte Kindheit und eine lange Reihe medizinischer Behandlungen hinter sich. Dank der aufopfernden Pflege im Tierheim sind die beiden sehr anschmiegsame und menschenfreundliche Katzen, die sich in mein und Margrets Herz eingeschlichen haben.

Wir haben im Tierheim einige Mitglieder, die sich in ihrer Freizeit hingebungsvoll um unsere scheuen und zurückhaltenden Insassen kümmern und sich durch langes vorsichtiges Streicheln und Zureden das Vertrauen dieser armen Tiere zurückerobern.

Helft mit!

Die Tiere können nur durch das Engagement der Mitglieder so gut betreut werden. Eherenamtliche Helfer sind immer willkommen, die einen Teil ihrer Freizeit für Tiere aufbringen wollen. Meine eigenen Erfahrungen sind nur positiv - es gibt ein echtes Miteinander, ein gemeinsames Ziel das die Mitglieder eint und anspornt. Nehmt Kontakt mit Frau Estner oder anderen Vorstandsmitgliedern auf (siehe Website des Vereins) und bietet Eure Hilfe an!

Spendet etwas!

Ausser engagierten Mitgliedern braucht der Verein natürlich auch Geld, um seine Aufgaben durchführen zu können. Tierärztliche Behandlung, Futter und Streu, Hilfskräfte und Unterbringung kosten jedes Jahr viel Geld. Da der Verein von öffentlicher Seite (Stadt Rosenheim, Landkreis) kaum finanziell unterstützt wird, leben wir von Mitgliedsbeiträgen und vor allem Spenden, welche uns Tierfreunde geben.

Jeder Betrag ist herzlich willkommen, die Spenden und Mitgliedsbeiträge sind steuerlich absetzbar, weil wir ein gemeinnütziger Verein sind.

Es gibt so viele Pläne, für die wir dringend Spenden brauchen: Eine Quarantänestation für Katzen, ein Hunde- und Kleintierhaus.